Kerstin Reimers
„Jetzt ist die Zeit zu machen!“ – Dr. Hildegard Sander, Geschäftsführerin des NHT (rechts im Bild).

Forderungen an die neue BundesregierungJetzt ist die Zeit zu machen!

Hannover (ak).- "Die aktuellen Herausforderungen erfordern entschlossene Maßnahmen und klare Weichenstellungen", betont Dr. Hildegard Sander, Geschäftsführerin des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT). Das niedersächsische Handwerk erwartet eine zielgerichtete politische Schwerpunktsetzung, um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Eine aktuelle Blitzumfrage des NHT verdeutlicht die Eintrübung der wirtschaftlichen Lage im Handwerk. Zwar bewerten noch 77 Prozent der befragten Betriebe ihre Situation als gut oder befriedigend, doch der Anteil unzufriedener Unternehmen ist auf 23 Prozent gestiegen.

Zentrale politische Forderungen des Handwerks

Die Umfrage verdeutlicht, dass das Handwerk klare Erwartungen an die neue Bundesregierung hat. Die vier wichtigsten Handlungsfelder sind:

  • Wirtschaftspolitik: 95 Prozent der Betriebe sehen eine starke wirtschaftspolitische Ausrichtung als entscheidend an. Eine florierende Wirtschaft sei die Grundlage, um Herausforderungen in anderen politischen Bereichen bewältigen zu können.
  • Bildungspolitik: Zwei Drittel der Befragten fordern verstärkte Investitionen in die Bildung. "Bildung ist unser wertvollster Rohstoff", so Sander. Insbesondere die berufliche Bildung müsse stärker gefördert werden.
  • Zuwanderungs- und Integrationspolitik: Fast 60 Prozent der Unternehmen wünschen sich eine gezielte Strategie in diesem Bereich. In vielen Gewerken, darunter das Reinigungsgewerbe (60 Prozent) und der Hochbau (40 Prozent), sind bereits zahlreiche Fachkräfte mit Migrationsgeschichte tätig.
  • Sicherheitspolitik: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) sieht Handlungsbedarf in der Sicherheitspolitik. Ein mangelndes Sicherheitsgefühl führe zu Vertrauensverlusten in die staatliche Handlungsfähigkeit.

Erforderliche Maßnahmen

Um die wirtschaftliche Stabilität des Handwerks zu sichern, fordert der NHT konkrete Schritte:

  • Bürokratieabbau: 80 Prozent der Betriebe beklagen hohe Bürokratielasten. Gefordert werden weniger Berichtspflichten, der Abbau kleinteiliger Vorgaben und moderne digitale Verwaltungsprozesse.
  • Steuer- und Sozialabgaben senken: 65 Prozent der Unternehmen sehen hier eine der größten Belastungen. Insbesondere personalintensive Branchen wie das Handwerk leiden unter hohen Sozialabgaben. Der NHT fordert eine Neuausrichtung der sozialen Sicherungssysteme.
  • Energiekosten senken: Trotz einer leichten Entspannung bleibt die Energiepreisentwicklung eine große Herausforderung. Benötigt wird ein nachhaltiges energiepolitisches Konzept für eine bezahlbare und sichere Energieversorgung.
  • Fachkräfte gewinnen: 55 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Ein verstärkter Fokus auf die berufliche Bildung ist unerlässlich.

Das niedersächsische Handwerk appelliert an die Bundesregierung, die Belange der Betriebe in den Mittelpunkt ihrer Politik zu rücken. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um den Wirtschaftsstandort Deutschland und insbesondere das Handwerk zukunftsfähig zu gestalten.